17.09.2011: Erster Auftritt

Und doch haben wir Lampenfieber…immer wieder rutscht das Mieder…, naja, so ähnlich fühlten wir uns zumindest vor unserem offiziellen Auftritt.

Anlässlich des Geburtstags vom Tangostudio, dessen Räumlichkeiten auch unsere Proben stets zu einem witterungsgeschützten, musikalisch untermalbaren Vergnügen machen, wurden wir kurzerhand mit ins Programm aufgenommen, um der Welt unsere Ideen zu offenbaren und mit dem Publikum nun im offiziellen Rahmen gemeinsam Welten und Figuren entstehen zu lassen.

Nach einigem Hin und Her wurde die Brücke im oberen Teil des Händelkarrees zu den Brettern, die die Welt bedeuten – zumindest für uns, unser Publikum und eine ganze halbe Stunde dieses Abends lang. Für eine gelungene Premiere versorgte uns Mirjam, die Leiterin des Geburtstagskindes, mit Scheinwerfern, sodass wir unseren schwindelerregenden Spielplatz professionell ausleuchten und uns in logistischen Entwirrungen üben konnten.

Im Vorfeld des Auftritts wurden die Spiele festgelegt, die wir bei dem Auftritt zeigen wollten. 4 Stunden vor dem Auftritt bauten wir alles auf, erwärmten uns fachgerecht mit einigen Reaktionsübungen und Lockerungsspielen, bis wir gegen halb elf dann schon etwas nervös durch die leere, dunkle Händelpassage flitzten und die Stimmen auf die dürftigen Akustikbedingungen einstellten. Grandioses Abenteuergefühl bescherte uns dann noch eine interessante Kombination aus schüttendem Regen und instabilen Dachkonstruktionen, sodass wir uns innerlich schon auf ein spontanes Feuerwerk gefasst machten, dem unsere Scheinwerfer zum Opfer fallen würden (glücklicherweise bestätigte sich diese Vorahnung nicht – der Regen hörte pünktlich auf, den Rest fingen solide Plastikeimer für uns auf).

Christian, unsere erfahrene Rampensau, kündigte uns um 23.00 schließlich bei dem erlesenen Tangovolk an und nach anfänglichem Zögern (von heißen argentinischen Rhythmen zu unkontrollierter Improvisation mit Schoko und Gurke ist es ja auch eine große Umstellung – daher viel Verständnis) füllte sich der beschauliche Raum vor unserer spektakulären Bühen doch beachtlich.

Noch immer moderierte uns Christian tapfer an und holte uns einen nach dem anderen auf die Bühne: Flo, Jana, Chris, Michaela und Christian selbst waren die Vertreter unserer Gruppe, die an diesem Abend die Feuertaufe anvisiert hatten.

Unser Publikum lernte das explosive Einzählen schnell, sodass Jana, Flo, Chris und Michaela gleich ein schnelles Werbespiel auf die Bühne zauberten, das, von den Beiträgen der Zuschauer inspiriert, einen Mixer aus Schokolade über Nacht zum Verkaufsschlager werden ließ.
Auch danach zeigte sich das Publikum höchst kooperativ und Fabian, ein junger Herr, offenbarte mit Hilfe seiner beiden Schauspielerhandlanger Christian und Michaela dem restlichen Publikum pikante Details seines ersten Kusses, dessen Inszenierung er gekonnt mit Hupe und Glöckchen dirigierte.
Im letzten Spiel wurde das Publikum schließlich aufgeklärt, zu welchem Zweck sie im Vorfeld gebeten wurden, wahllose Sätze direkt aus dem Kopf auf einen Zettel fließen zu lassen. Das klassische Freeze-Spiel wurde dahingehend abgeändert, dass die Schauspieler der jeweiligen Szene diese Sätze spontan mit in ihr Spiel einbinden mussten: Ein Riesenspaß, der uns über Forschungsreisen im Dschungel, in gruselige Klassenräume, Modellbaukeller und auf englische Straßen führte und dabei immer die syntaktischen Ergüsse des Publikums mit vom Stapel ließ.

Zu guter Letzt gab es tosenden Beifall für überglückliche, hoch erleichterte, aufgekratzte und ein wenig stolze Schokogurken.
Natürlich wurde die erste erfolgreiche Bühnenpremiere gebührend gefeiert und der Hunger auf mehr entfacht, sodass es Schoko mit Gurke wohl bald im Hauptprogramm geben wird, wo hoffentlich wieder eine faszinierende Symbiose aus Publikumsideen und ad-hoc-Schaupiel zu sehen sein wird.

Wir freuen uns auf euch!

Namensfindung

Nomen est omen schwebt ja bekanntlich als mentales Mahnmal in den Köpfen jeder Väter und Mütter neuer Gedanken, Ideen oder eben Improvisationstheatergruppen. Wie soll das kreative Kind nun also heißen?

Selbstverständlich hatten wir sofort einen Schlachtplan entworfen und dazu unzählige Plan Bs im Ärmel, um diese wichtige Mission zu einem finalen Hurraschrei zu führen.

Der Anfang war auch dementsprechend einfach. Unsere Vorgaben an uns selbst und unsere gemeinsame Namensschmiede waren schnell gefunden: Witzig, einprägsam, passend zur Sache und Gruppe, unkonventionell und vor allen Dingen noch nicht existent, zumindest in Verbindung mit Improvisationstheater!

Gewitterähnliche Brainstorms später waren wir stolze Erfinder von circa 20 verschiedenen Namensmöglichkeiten, die über Geheimprogramm durch Wortgefecht mit Ruhestörung oftmals in Spontanzerfall ausarteten. Sämtliche Schwächen der Demokratie aufdeckend, musste jedes Gruppenmitglied Partei für seinen Favoriten ergreifen und gnadenlos die Minderheiten herausschmeißen.

Aber selbst diese Taktik führte zu der berühmten Patt-Situation, denn zwischen den letzten beiden heißen Eisen konnte keine Entscheidung gefällt werden, da beide verbissen von ihren Anhängern verteidigt und mit glasklaren Argumenten wettbewerbsfähig gehalten wurde. Schoko mit Gurke oder Geheimprogramm sollte das Rennen machen und versprach hitzige Finalkämpfe.

Nach mehreren Diskussionen und vollen Brunchbäuchen später haben wir den einzig fairen Schiedsrichter entscheiden lassen und das Los wählte mit der obligatorischen Portion Dramatik letztendlich den Namen, der aus einer reinen Spontanlaune heraus aus den verschiedensten Worttöpfen zusammengemixt wurde…nämlich:

SCHOKO MIT GURKE

Nach anfänglicher Skepsis überzeugte der Name schließlich restlos alle Gruppenmitglieder (an dieser Stelle ein Hoch auf die Autorenfreiheiten) und wird seitdem stolz von Halles neuester Improvisationstheatergruppe auf ihre Fahnen geschrieben.

Wohl bekomm’s!

Interlude: Hupe und Glöckchen

Auch bekannt als Erster Kuss.

Ein Freiwilliger aus dem Publikum bekommt eine Hupe und ein Glöckchen. Dann wird eine Szene improvisiert. Der Freiwillige gibt mit der Hupe Missfallen kund, mit dem Glöckchen Zustimmung. Hupe bedeutet für die Spieler sofort, dass eine neue Variante gefunden werden muss – der letzte Satz wird gestrichen und durch einen anderen Satz ersetzt.

Die Spieler sollten darauf achten, Pausen zu setzen: damit wird der Freiwillige “gezwungen”, eine Pro- oder Contra-Entscheidung zu treffen. Des Weiteren sollte man beachten, dass nicht mehrere Angebote gleichzeitig kommen, so dass nicht klar wird, zu was der Freiwillige klingelt und hupt.

Meist wird ein wichtiges persönliches Ereignis, das der Freiwillige wirklich erlebt hat, nachgespielt (z.B. Familientreffen, erster Kuss). Der Freiwillige klingelt, wenn es genau so war, und hupt, wenn es nicht genau so war.

(Improwiki, s.v. “Hupe und Glöckchen”)